Faszination Kleingewässer – Stalken an Bächen, Poldern und kleinen Flüssen

Viele Angler fahren häufig weite Strecken zu ihrem Hausgewässer, sodass sie leider nur viel zu selten zum Angeln kommen. Doch das muss nicht unbedingt sein! Auch in der Nähe finden sich häufig schöne Gewässer wie Entwässerungsgräben, Polder, Bäche, oder kleine Flüsse, die für mich ihren ganz besonderen Reiz ausüben.

Ein Polder als neuer Hotspot zum angeln

Sei es die große Strecke, die beangelt werden kann, die atemberaubenden Drills direkt vor den eigenen Füßen oder die vielen vorkommenden Fischarten und die damit verbundene hohe Chance zum Erfolg zu kommen. Ich will euch nun berichten, wie ich an solchen Gewässern vorgehe, wie meine Lieblingsmethode bzw. -Technik aussieht und wie diese mich zu regelmäßigen Erfolgen führt.

Hotspots finden

Um an diesen häufig durch Begradigungen oder künstlich geschaffenen, recht monotonen Gewässern zum regelmäßigen Erfolg zu kommen, ist eine gute Vorbereitung wichtig. Dies bedeutet Strukturveränderungen wie Brücken, Kurven, Ansammlungen von Treibgut, bewachsene Bereiche, Vertiefungen oder Unterhöhlungen zu finden. Jegliche noch so kleine Veränderung der Gewässerstruktur ist ein potenzieller Fischstandplatz und kann sich als wahrer Hotspot herausstellen. Hilfreich für die Erkundung können dabei im Vorab Internet-Programme wie Google Earth/Maps oder einfache Landkarten sein, welche helfen, interessante Bereiche zu lokalisieren. Diese Bereiche sollten dann unbedingt z.B. im Smartphone abgespeichert oder abfotografiert werden. Um die Suche noch weiter zu verfeinern, empfiehlt es sich, vor dem eigentlichen Angeln bereits das Gewässer zu Fuß mit einer Polarisationsbrille zu erkunden, um dabei schon Vertiefungen, Fraßlöcher oder gar Fische zu entdecken.

Hotspots auskundschaften und merken

In flachen Gewässern kann auch der Einsatz einer Wathose sehr nützlich sein, mit deren Hilfe besonders interessante Bereiche durchwatet werden können. Dies gibt uns Aufschluss über Vertiefungen und über die Bodenhärte im jeweiligen Gewässerabschnitt. Hier sind dann vor allem harte, kiesige Bereiche sehr interessant, da sich in diesen oft Futtertiere wie Muscheln, Flohkrebse oder Insektenlarven sammeln, die den Fischen wiederum als Nahrungsquelle dienen. Natürlich sollte dies bereits einige Tage vor dem Angeln geschehen um die Fische nicht zu vergrämen.

Verhaltensweise am Wasser

Wenn nun interessante Bereiche oder Stellen ausfindig gemacht wurden, ist es unabdingbar, sich dem Verhalten der meist sehr scheuen Bachfische anzupassen. Das heißt für mich als Angler, sofern ich nicht in der Innenstadt unterwegs bin, sich möglichst ruhig und leise zu verhalten. Vorsichtiges und leichtes Auftreten ist hierbei bei den oft harten und übertragungsstarken Böden angesagt. Zusätzlich sollte man versuchen, keinen Schatten in das Wasser zu werfen und seine Bewegungen auf das Nötigste zu beschränken. Dies gilt besonders auch beim Auswerfen. Der erste Wurf, spätestens der zweite sollte unbedingt sitzen! Oft besteht nur eine Chance, denn häufiges Einholen und erneutes Auswerfen verschreckt die Fische.

Fischarten und Methoden

Die wohl wichtigsten (Fried)Fischarten in den kleinen Fließgewässern sind neben Weißfischen wie Döbel, Brassen und Aland, sogar Karpfen und Barben.

Fang eines Döbel

Genauso vielfältig wie die Fischarten in diesen Gewässertypen sind auch die Angelmethoden und Techniken, welche zum Einsatz kommen können. (z.B. das Pirsch, Trotting- oder das Ansitzangeln)

Pirschangeln

Ich möchte euch nun über meine Lieblingsmethode zum Friedfischangeln, dem sogenannten „Stalken“  bzw. Pirschen erzählen. Bei dieser Methode gehe ich so vor, dass ich mich von Spot zu Spot angel und den Köder vorsichtig direkt vor dem Unterstand der Fische schlenze, wenn er nicht sogar den Fischen direkt auf Sicht präsentiert wird. Bei merklich aktiven Fischen wird die Rute gleich in der Hand behalten, um schnell reagieren zu können. Nimmt nun ein Fisch den Köder, zieht er meist einfach ab, dabei spannt sich die Schnur oder fällt in sich zusammen. Wird dies bemerkt, wird sofort Kontakt aufgenommen und angeschlagen. Bei weniger aktiven Fischen und/oder schlechten Wetterverhältnissen, lege ich die Rute lieber ab. Die Rute wird hierbei auf einen sensiblen elektronischen Bissanzeiger mit einem zweiten Bankstick so abgelegt, dass die Rutenspitze nur wenige Zentimeter über die Wasseroberfläche ragt. Dies garantiert auch bei starkem Wind eine vernünftige Bissanzeige.

Die Montage

Einfache und schnelle Montage für Kleingewässer

Die Montage ist ganz simpel aufgebaut. Auf die 0,20mm – 0,25mm starke, monofile Hauptschnur kommt ein Silikonstopper aus dem Forellen/Matchbereich. Gefolgt von einem Microwirbel, an dem ein ca. 20cm langer Seitenarm angebunden wird, an dem wiederum das Bleigewicht angebracht wird. Ich bevorzuge Klemmblei, da dieses sich dann bei einem Hänger lösen kann. Nach dem Wirbel folgt ein weiterer Posenstopper der den Abstand zum Haken reguliert. Der direkt angebundene Haken bildet nun den Abschluss der Montage.

Köder

Bei Mir kommen je nach Jahreszeit, Gewässer und Zielfisch unterschiedliche Köder zum Einsatz. Im Allgemeinen lässt sich, dass im Frühjahr und Sommer überwiegend süßliche Köder zum Einsatz kommen (Mais, Teig, Miniboilies etc.). Im Winter sind vor allem fleischige/ fischige Köder gefragt. (Pellets, Frühstücksfleisch, Leber…)

Drill / Landung und Gerät

Nachdem ich nun von meinen Vorgehensweisen geschrieben habe, will ich noch auf das richtige Drillverhalten eingehen. In der Regel sollte der Fisch nach dem Anhieb erst einmal laufen gelassen werden. Dabei darf die Bremse keinesfall zu fest eingestellt sein, schließlich wird meist auf kurze Distanz gefischt und der Fisch besitzt unter der Rutenspitze noch seine volle Power.

Die Trout Master Rolle eignet sich perfekt

Eine sehr gut arbeitende, d.h. extrem gut bremsende Rolle der Größe 3000 bis 4000 ist hier gefragt. Sie muss die Schnur gleichmäßig und vor allem sofort freigeben. Aber auch die Rute darf hier auf keinen Fall zu hart ausfallen. Im Nahbereich sollte diese einerseits sehr weich sein, andererseits vor Hindernissen wenn der Fisch zum Umdrehen gezwungen werden muss, oder sich im Kraut festgesetzt hat, genügend Druck aufbauen können. Aus meinen Erfahrungen haben sich Ruten zwischen 3,00m und 3,30m bewährt, die ein Wurfgewicht von etwa 40g besitzen.

Die Trout Master Tactical Trout Lake

Hierbei habe ich eine für mich sehr tolle Lösung gefunden. Die Trout Master Tactical Trout Lake Kombinaton. Die sauber verarbeiteten Ruten und Rollen mit den von mir oben genannten wichtigen Eigenschaften passen genau in mein Konzept. Die Rolle überzeugt durch einen seidenweichen, leisen Lauf und einer sehr sauberen Schnurverlegung, welche Perücken vorbeugt. Besonders hervorheben möchte ich auch die fein dosierbare Frontbremse, die sofort und gleichmäßig Schnur freigibt und fein einstellbar ist.

Das richtige Drillverhalten

Die Tactical Trout Lake Rute begeistert mit einer gleichmäßig weichen, aber nicht schwabbeligen Aktion, die auch die Fluchten stark kämpfender Fische hervorragend abfedert, ohne dabei Aussteiger befürchten zu müssen. Sehr angenehm sind dabei auch die großen Ringen, die gerade im Winter tolle Dienste leisten – Hier friert so schnell nichts an! Ebenfalls sehr gut gefällt mir der kleine Rollenhalter, der hervorragend in der Hand liegt und mit dem schönen dünnen Korkgriff eine Einheit bildet. Durch die Dreiteilung der Rute ist diese auch einfach zu Transportieren und so auch für den Kleinwagen-Fahrer interessant. Was bei der gesamten Kombination hervorzuheben ist, ist das gute Zusammenspiel von Rute und Rolle. Sowohl das Gewicht, die Verarbeitung, als auch das Material und die Optik passen hervorragend. Interessant ist auch der Preis. Dieser liegt im mittleren Preissegment und ist damit auch für den kleinen Geldbeutel stemmbar.

Den Döbel in den Kescher bringen

Neben Rute und Rolle ist zur Landung der Fische grundsätzlich ein längerer Kescher mit ausreichend großen Netz zu empfehlen, denn die Ufer sind häufig stark erhöht.

Schlusswort

Das Angeln an den oben genannten Kleingewässern kann wirklich sehr vielseitig, interessant und spannend sein. Auch wenn in diesen Gewässern nicht immer mit den kapitalsten Fisch zu rechnen ist, können bei einer sorgsamen Entnahme, trotz meist fehlender Besatzmaßnahmen, immer wieder tolle Fische gefangen werden. Man kann wahre Sternstunden am nah gelegenen Gewässer erleben, wenn man dieser Angelei einfach mal eine Chance gibt!

Karpfenfang aus einem Kleingewässer

In diesem Sinne ein kräftiges Petri Heil.

Tight Lines!

Simon Gottschall

2018-02-09T07:14:52+00:00