Hechtangeln bei Nacht

SPRO - Hechtangeln im Winter

Seit mehr als 10 Jahren interessiere ich mich dafür, wie sich Hechte an den unterschiedlichsten Gewässern im Winter verhalten – sowohl in Deutschland, als auch in Holland. Hierbei ist mir aufgefallen, dass kleinere, trübe und flache Gewässer, die mit einem großen See oder Fluss verbunden sind, äußerst nährstoffreich sind. Häfen und Polder sind im Winter wie ein Magnet für Friedfische. Und wo die Friedfische zu finden sind, sammeln sich auch die Hechte. Im Winter reichen manchmal 1 bis 1,5m Wassertiefe für den Fang eines großen Hechtes.

Warum nachts auf Hecht?

Des Weiteren konnte ich in den letzten Jahren häufig beobachten, wie sich Kormorane gezielt auf solche Gewässer gestürzt haben. Viele Fische halten sich dann tagsüber zum Schutz in ihren Verstecken auf und gehen erst nachts auf die Jagd.
Aus diesem Grund gehe ich besonders gerne nachts ans Wasser – Angeln einpacken, Kopflampe auf und los geht`s. Und so gehe ich regelmäßig nachts auf Hecht los – Entweder vom Ufer aus oder mit dem Boot (Schleppangeln).

Kaum zu glauben, wie nach sich solche Brocken nachts am Ufer aufhalten.

Köder – worauf es meiner Meinung nach ankommt

Hechte sind Augenräuber und nehmen ihre Beute nachts vor allem über die Seitenlinie wahr. Aus diesem Grund brauchen wir Köder mit viel Aktion. Darüber hinaus ist es häufig hilfreich, Köder mit UV-Aktivität anzubieten. Diese können Hechte auch nachts mit den Augen wahrnehmen. Zu meinen besten Hechtködern gehören der Wob Shad 2.0 und der Iris Popeye in 23cm. Diese Gummifische haben eine lebhafte Aktion und sorgen für den nötigen Druck. Außerdem gibt es diese Köder ebenfalls in UV-Farben. Über laute Motorengeräusche muss man sich nachts beim Schleppen keine Sorgen machen. Meiner Meinung nach zieht das Geräusch die Hechte sogar an.

UV-aktive Köder sind nachts meine erste Wahl.

Langsam eingekurbelt und mit voller Wucht inhaliert.

Das richtige Vorfach

Über ein zu dickes Vorfach muss man sich nachts keine Gedanken machen. Da die Hechte eh nicht viel sehen, kann auch ein dickeres Stahlvorfach verwendet werden. Ich nutze das Pike Fighter Wire Leader 7×7 mit einer Länge von mindestens 50 cm. Dieses Vorfach behält seine Geschmeidigkeit auch nach zahlreichen Hechtdrills.

Das Vorfach ist im Drill solcher Brocken ganz schön belastet – Deshalb kommt für mich nur starkes Material infrage!

Wie gehe ich vor?

Diese Erkenntnisse führen dazu, dass ich seit vielen Jahren so im Winter auf Hecht fische. Sowie vor ein paar Tagen, als ich an ein flaches und mir unbekanntes Gewässer fuhr. Ich ließ mein Boot ins Wasser und konnte viele Futterfische auf einer Wassertiefe von 2m auf dem Echolot erkennen. Und das bei 3° Wassertemperatur! Am späten Nachmittag sah ich noch den ein oder anderen Kormoran, der sich den Bauch vollschlug. Als es zunehmend dunkler wurde, beruhigte sich die Situation. Meine Köderwahl fiel auf den Popeye in Firetiger (UV-aktiv). Mit meiner Gamakatsu Akilas 80 XXH donnerte ich den Köder in die Ferne und spürte die Vibration des Gummifisches. Im Winter kommt es darauf an, den Köder möglichst langsam zu führen. Deswegen nutze ich verhältnismäßig leichte Jigköpfe oder auch Shallowrigs. Nach einigen Würfen riss mich ein brutaler Einschlag aus meinen Träumen. Der Fisch ging direkt in die Bremse und mir wurde klar, dass dies ein besonders dickes Dingen sein muss. Weil ich zum Glück nicht an der Stärke des Materials gespart habe, konnte der Hecht mich nicht austricksen. Nach einigen Minuten und zwei, drei wilden Fluchten konnte ich den Fisch keschern und auf meine Abhakmatte legen. Ich traute meinen Augen nicht. 1,09m – was für ein Klotz! Ich war nicht nur unheimlich froh und erleichtert, diesen Fisch gelandet zu haben. Ich war vor allem froh darüber, wieder einmal die richtige Entscheidung getroffen zu haben.

Dieser Fisch riss mich aus meinen Träumen!

Dieser Fisch riss mich aus meinen Träumen!

Auch mit schönen Beifängen wie diesen ist nachts zu rechnen

Auch mit schönen Beifängen wie diesen ist nachts zu rechnen. 

Dicke Hechte vom Ufer

Ein paar Tage später hatte ich nicht so viel Zeit für das Bootsangeln und versuchte mein Glück vom Ufer aus. Ihr glaubt gar nicht, wie viele Hechtspots ihr im Winter direkt vor euren Füßen habt. Wieder montierte ich meine Lieblinge. Nach dem ersten Fehlbiss auf den Wob Shad ärgerte ich mich kurz, fischte aber noch im selben Wurf konzentriert und langsam weiter. Und plötzlich kam der Einschlag. Auch in diesem Fall war mir schnell klar, dass es sich hier nicht um einen Schniepel handelt. Im Gegenteil, denn es kam noch dicker. Ich versorgte den Fisch und staunte nicht schlecht – 1,25cm. Und als ob das noch nicht schon genug sein sollte, folgten noch zwei weitere Fische über der 90cm-Marke. Wahnsinn!

Was für ein traumhafter Hecht. Und ganz schön schwer…

Und so wechsle ich nachts häufig die Stellen und Möglichkeiten. Mal vom Boot, mal vom Ufer. Ihr wisst ja, immer schön flexibel bleiben. Nachts auf Hecht – im Winter die beste Zeit für dicke Räuber.

Viel Erfolg am Wasser – Euer Claudio